Indische Partner-Schule

Aktuell: Videos von der Indienreise

Abt Petrus und unser Schulleiter Herr Sagmeister besuchten einige Schulen in Indien, die durch Spenden des Gymnasiums gefördert werden. Einen lebhaften Eindruck dieser Reise gewinnen Sie in den Videos ...

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Bhadrachalam

Indien und unsere Reise nach Khammam

Im Mai 2013 haben wir (David Straub und Denis Deininger) unser Abitur in Schäftlarn geschrieben. Mit unserem Zeugnis in der Tasche wussten wir erst einmal nicht, wie wir unsere neue Freiheit nutzen sollten. Die Idee, auf Reisen zu gehen, nahm im Sommer 2013 konkrete Formen an und Ende Oktober flogen wir zusammen nach Nepal, in ein Land, das vor allem wegen seiner Berge und vollkommen fremden, buddhistischen Traditionen einen großen Reiz auf uns ausübte. Wir ließen uns treiben, mussten uns zunächst an den leicht chaotischen asiatischen Lebensstil gewöhnen, reisten in überfüllten Bussen durchs Land und wanderten im Himalaya. Von Nepal ging es dann nach Indien, ein unglaublich schönes und kulturell vielseitiges Land. Vor allem die Menschen waren es, die uns regelrecht verzauberten. Wer noch nie in Indien gewesen ist, kann sich kaum vorstellen, wie hektisch der Verkehr dort ist und wie überwältigend Gerüche und Düfte in den Straßen und Restaurants sind. In Indien leben vorwiegend Hindus, ein kleiner Anteil der Bevölkerung sind Buddhisten, dazu kommen noch einmal ungefähr zehn Prozent Muslime, was bei einer Gesamtbevölkerung von gut 1,2 Milliarden Menschen immerhin 120 Millionen ausmacht. Nur rund zwei Prozent der Bevölkerung sind Christen, die vor allem im Süden des Landes leben. Das Schöne an Indien sind die religiöse und kulturelle Vielfalt und die Toleranz zwischen den unterschiedlichen Glaubensanhängern. Uns fiel auf, dass Spiritualität und Glaube eine zentrale Position im Leben der Menschen einnehmen.

Nun gibt es natürlich einen wichtigen Grund, warum wir hier auf der Homepage des Gymnasiums Schäftlarn über unsere Reise berichten. Gut eineinhalb Wochen lebten wir nämlich im Osten des Landes nahe Hyderabad in einer Stadt namens Khammam. Khammam ist der bischöfliche Sitz der Diözese von Khammam und das Gymnasium Schäftlarn unterstützt seit einigen Jahren Projekte des Bischofs Maipan Paul von Khammam. Bekanntlich wurden die Einnahmen des Weihnachtsbazars der letzten Jahre dorthin gesendet, um den Aufbau einer Schule in Bhadrachalam zu unterstützen. Die Diözese unterhält etliche andere Projekte, wie zum Beispiel den Aufbau von Schulen für Arme, sanitärer Anlagen, Stationen für Lepra-Kranke oder Waisenhäuser.

 Als unser Schulleiter, Herr Sagmeister, nach den Abiturprüfungen von uns erfahren hat, dass wir eventuell nach Indien reisen, hat er den Kontakt zum Bischofshaus in Khammam hergestellt. Im Dezember 2013 kamen wir schließlich nach Indien und ließen es uns nicht nehmen, der Einladung des Bischofs zu folgen. Wir wurden sehr herzlich in Khammam empfangen und wohnten zusammen mit dem Bischof und Priestern der Diözese im Bischofshaus. Bischof Maipan Paul ist ein sehr bodenständiger, herzlicher und offener Mann mit einer unglaublichen Ausstrahlung. Sein Haus ist nicht so prunkvoll, wie man es  von einigen deutschen Bischofshäusern kennt und der Bischof kleidet sich stets in einfache weiße Gewänder und trägt ausschließlich Sandalen. Wir aßen jeden Tag zusammen und bekamen so die Möglichkeit, viele Dinge über seine Arbeit zu erfahren. Darüber hinaus nahm  Bischof Maipan Paul uns immer zu seinen Besuchen in der ganzen Diözese mit. Da zu der Zeit unseres Aufenthalts gerade die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest  liefen, konnten wir viele Vorführungen in Schulen und Krankenhäusern besuchen. Die von der Diözese finanzierten Schulen zeigten sogenannte „Semi-Christmas-Shows“, in welchen die Weihnachtsgeschichte mit indischem Gesang und Tanz erzählt wird. Der Bischof ergriff dabei die Gelegenheit, den Kindern von Jesus und dem Christentum zu erzählen. Uns ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass der Großteil der Schüler, aber auch die Armen und Kranken in anderen Einrichtungen, die von der Unterstützung der katholischen Diözese profitieren, keine Christen sind. Das Engagement des Bischofs richtet sich nicht nach religiöser Zugehörigkeit. Es beruht vielmehr auf der Überzeugung der Nächstenliebe, die Jedem zugutekommen soll. Natürlich will der Bischof die Menschen von der Liebe Jesu und den christlichen Werten überzeugen, doch wer nicht bereit dafür ist, wird auch nicht zum Glauben gezwungen. Der Glaube wird in Indien und speziell in Khammam viel ungezwungener gelebt, als es für uns hier in Deutschland vorstellbar ist. Wir haben erlebt, dass die Menschen mit Freuden in den Gottesdienst gehen und Kraft in ihrem Glauben finden. Der Glaube, egal welcher Religion, steht dort also viel stärker im Mittelpunkt des Lebens.

Ein paar Tage vor Weihnachten, kurz nach unserer Ankunft in Khammam, saßen wir von ein paar Schulkindern umringt unter einem Baum. Die Kinder, darunter Christen, Hindus und Muslime sangen alle zusammen Lieder über Jesus und tanzten dazu. Das hat uns sehr beeindruckt und wir sind überzeugt, dass dieses Zusammenleben ohne religiöse Grenzen Vorbild für unsere moderne Gesellschaft hier in Europa sein kann und sollte.

In der Diözese von Khammam leben gut zwei Millionen Menschen, die meisten von ihnen auf dem Land in sehr einfachen Gebäuden. Damit die Familie überleben kann, müssen viele Kinder auf dem Feld mitarbeiten, was wiederum bedeutet, dass sie nicht mehr zur Schule gehen können. Die Kinder wachsen also ohne schulische Bildung auf, erwerben nie einen Schulabschluss, der ihnen ein Studium oder eine Ausbildung ermöglichen würde. Deshalb stehen die Chancen für diese Kinder sehr schlecht, einmal ein besseres Leben als ihre Eltern führen zu können. Man kann von einem Teufelskreis der Armut sprechen.

Ohne Bildung leben die Menschen weiter am untersten Rande der Gesellschaft und nicht zuletzt ist das eine schlimme Folge des in Indien vorherrschenden hinduistischen Kastensystems. Die meisten sozial vernachlässigten Menschen entstammen den unteren Kasten. Vom indischen Kastensystem her betrachtet sind diese Menschen weniger wert – für uns eine erschütternde Beobachtung. Man kann vier bis fünf größere Kasten in diesem System nennen, von der höchsten Kaste der Brahmen (Priester) angefangen bis zu den sogenannten Unberührbaren, der niedrigsten Kaste. Christen werden nicht in dieses System eingeordnet, was ihre Stellung in der Gesellschaft aber keineswegs verbessert. In Indien und hier vor allem im ländlichen Bereich, fernab der modernen Großstädte wie Mumbai oder Bangalore, entscheidet die Abstammung einer bestimmten Kaste darüber, inwieweit ein Mensch in der Gesellschaft Ansehen erfährt und vom Staat finanziell unterstützt wird. Menschen unterer Kasten und auch Christen erhalten in der Regel keinerlei Unterstützung. Hier kommen nationale wie internationale Hilfsorganisationen ins Spiel. Als eine dieser „Organisationen“ kann man auch die Kirche und die bischöfliche Arbeit von Bischof Maipan Paul in Khammam bezeichnen. Er setzt sich mit seinen Projekten für diese Menschen ein und er tut dies mit unglaublicher Ausdauer und persönlichem Einsatz.

Im Mai 2014 war er zu Besuch im Gymnasium Schäftlarn, wo wir die Ehre hatten, ihn wiederzusehen und die Schüler die Chance bekamen, ihn kennenzulernen. Er sprach lange zu den Schülern, und es war spürbar, dass er sie begeistern konnte. Vor und nach seinem Besuch im Kloster reiste er durch halb Europa, um seine Unterstützer zu besuchen. Den ganzen Tag bis spät nachts war er unterwegs. So konnten wir das auch in Khammam beobachten. Von früh morgens bis spät abends ist er in den Dörfern Khammams unterwegs, redet, hört zu und hält Gottesdienste.

Wir sind sehr froh, dass wir Gelegenheit hatten, ihn bei seiner Arbeit zu erleben, und nun darüber berichten können. Wir waren begeistert von der Kraft des Bischofs und von allen Anderen, die ihn aus Nächstenliebe unterstützen. Wir hoffen natürlich auch, dass er seine Arbeit noch so lange wie möglich erfolgreich fortsetzen kann. Man kann zahlreiche Erfolge seiner Arbeit in Khammam sehen: Kinder ohne Aussichten auf eine Ausbildung schaffen es an Universitäten, Krankheiten werden durch mobile Ambulanzen verhindert oder behandelt und die sanitäre Versorgung vor Ort verbessert sich. Doch es wird noch lange dauern, bis in Khammam und vielen anderen Orten Indiens alle Menschen gut und in mehr Gerechtigkeit leben können.

David Straub