Mönchtum heute

Wir Mönche von Schäftlarn leben nach der Regel des Hl. Benedikt, die seit 1500 Jahren das spirituelle und kulturelle Erscheinungsbild Europas prägt. Der um das Jahr 480 geborene Benedikt gilt als der Vater des abendländischen Mönchtums.

Auch heute noch gibt es in Bayern 11 selbständige Benediktinerabteien, die in der Bayerischen Benediktinerkongregation miteinander verbunden sind. Darüber hinaus gibt es fünf bayerische Benediktinerinnenabteien bzw. - priorate. Die Kongregation wurde am 26.8.1684 vom seligen Papst Innozenz XI. unter dem Titel der heiligen Schutzengel gegründet. Am 5.2.1858 wurde sie von Papst Pius IX. aus den nach der Säkularisation durch König Ludwig I. von Bayern wiederhergestellten Klöstern wiedererrichtet.

Die monastischen Gelübde

Das benediktinische Mönchtum erhält seine konkrete geistliche Form in den Gelübden:

  • des Gehorsams,
  • der stabilitas (Beständigkeit) und
  • der conversatio morum (klösterlicher Lebenswandel).

Durch diese Gelübde werden die evangelischen Räte der gottweihten Keuschheit, der Armut und des Gehorsams in der Kirche verwirklicht. Die Profess, also die feierliche Ablegung dieser Gelübde, drückt eine besondere Form der Christusnachfolge innerhalb der Sendung der Kirche aus.

Oboedientia/Gehorsam
Stabilitas/Beständigkeit
Conversatio morum

Die Benediktusregel (Kap. 58) beschreibt den Ablauf der Aufnahme:

"Bei der Aufnahme verspreche er im Oratorium in Gegenwart aller Beständigkeit, klösterlichen Lebenswandel und Gehorsam, vor Gott und seinen Heiligen. Sollte er einmal anders handeln, so muss er wissen, dass er von dem verworfen wird, den er nicht ernstnimmt. Über sein Versprechen verfasse er eine Urkunde auf den Namen der Heiligen, deren Reliquien dort sind, und des anwesenden Abtes. Diese Urkunde schreibe er mit eigener Hand. ... Der Novize setze sein Zeichen darunter und lege die Urkunde mit eigener Hand auf den Altar. Wenn er sie niedergelegt hat, stimmt der Novize sofort folgenden Vers an: „Nimm mich auf, Herr, nach deinem Wort, und ich werde leben; lass mich in meiner Hoffnung nicht scheitern.“ Diesen Vers wiederholt die ganze Gemeinschaft dreimal und fügt das „Ehre sei dem Vater“ hinzu."

Friedensgruß mit den Mitbrüdern als Zeichen der Aufnahme in die Gemeinschaft bei der Profess

Ein wesentliches Merkmal benediktinischer Lebensweise ist die Ausgewogenheit von aktivem Tun und Kontemplation. Beides, Gebet und Arbeit (ora et labora) hat im benediktinischen Alltag seinen gebührenden Platz. Die Regel des Hl. Benedikt mahnt eindringlich, stets und in allem das rechte Maß zu halten; und so ergibt sich in der Praxis eine bodenständige aber zugleich auch offene und tolerante Geisteshaltung.

Spezifisch benediktinisch ist auch die stabilitas loci, also die Ortsbeständigkeit, die den Mönch zeitlebens an einen konkreten Ort und eine konkrete Gemeinschaft bindet.
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Allegorisierung der drei monastischen Gelübde von Johann M. Schmitt (1933), Christkönigskapelle