Bibliothek

Neben dem Gebet und der Arbeit bildet die geistliche Lesung eine tragende Säule benediktinischen Klosterlebens. Die im Mittelalter entstandene Sentenz „ora et labora“ wird also gerne um das „et lege“ erweitert: ora et labora et lege (bete und arbeite und lies). Für die geistlich sehr geprägten Zeiten bestimmt Benedikt sogar, dass die Mönche zu bestimmten Stunden für die Lesung frei seien (vgl. RB 48). Ansonsten gilt das rechte Maß im Zueinander von Arbeit und Lesung: „Müßiggang ist der Seele Feind. Deshalb sollen die Brüder zu bestimmten Zeiten mit Handarbeit, zu bestimmten Stunden mit heiliger Lesung beschäftigt sein.“ (Benediktsregel Kap. 48)
Mit der Lesung meint Benedikt in erster Linie die Hl. Schrift (lectio divina), aber auch Erklärungen und Kommentare der Kirchenväter, die Lebensbeschreibungen der Mönchsväter als Vorbild und Beispiel für das eigene Leben. Auch heute noch bildet die Gottsuche das Fundament für das Studium. Die Klosterbibliothek will die aus der Gottsuche entstandene Kultur (vgl. Klösterliches Leben) fruchtbar machen für die Mönche und gleichzeitig die eigene Auseinandersetzung mit dem reichen Schatz geistiger und literarischer Erfahrung für den Einzelnen fördern. Der Bestand der Klosterbibliothek ist deshalb heute sehr breit aufgestellt.

Geschichte

Handschrift mit Initiale Hl. Juliana

Die Geschichte der Klosterbibliothek reicht wohl in die Gründungszeit 762 zurück, worauf einige Handschriften schließen lassen. In der neu errichteten Prämonstratenserprobstei 1140 gab es sehr bald ein wichtiges Skriptorium und eine Malwerkstatt. Im Mittelalter veranlasste Propst Leonhard Schmid (1491-1527) einen Bibliotheksneubau. 1702 bis 1707 wurden die Stiftsgebäude in ihrer heutigen Gestalt nach Plänen Giovanni Antonio Viscardis errichtet. Mit der Säkularisation 1803 wurden von den insgesamt 9000 Bänden ca. 300 Handschriften, 314 Inkunabeln und Frühdrucke sowie 450 Musikalien und weitere 1082 Bände späterer Drucke von der Hofbibliothek in München eingezogen. Der restliche Bestand verteilte sich an teilweise unbekannte Ziele.

Die Wiedererrichtung als Benediktinerpriorat und später –abtei (1866 bzw. 1910) konnte auf einen Nachlass aus der Privatbibliothek des ehemaligen Prämonstratensers Johann Nepomuk Silberhorn († 1842) zurückgreifen und so die Bibliothek mit dem erhaltenen alten Schäftlarner Buchbestand Silberhorns einrichten. In weiterer Folge kamen wertvolle Schenkungen der bayrischen Abteien Metten, St. Stephan (Augsburg) und St. Bonifaz (München) nach Schäftlarn. Vor allem unter Abt Sigisbert Liebert wurde der Bestand wesentlich erweitert. Ab 1930 wurden die Sammlungen der Andachtsbildchen, Exlibris und Siegelabdrucke durch den Genealogen und Heraldiker P. Augustin Ulrich stark erweitert. Neuaufstellung und vollständige Neukatalogisierung des Buchbestandes wurden 1954 begonnen. Zwischen 1979 und 1981 konnte der Saal, der vermutlich schon zur Prämonstratenserzeit der Bibliothek diente, wieder bezogen werden.

Bibliothekssaal

Bestand

Der Bestand ist in 67 Fachgruppen (mit Untergliederungen insgesamt 85 Abteilungen) in Anlehnung an die Systematik der Bayerischen Staatsbibliothek aufgestellt. Die gültige Systematik wurde mit Beginn der Neukatalogisierung 1954 eingeführt.
Schwerpunkt bildet die theologische Literatur mit all ihren Einzelgebieten; in besonderer Weise auch geistliche und monastische Literatur. Daneben bildet der historische Bestand einen wesentlichen Schwerpunkt, wobei der Bestand der sog. Bavarica in den vergangenen Jahrzehnten erheblich vergrößert wurde.
Weitere Fachgruppen umfassen Bände philologischer Art, Textausgaben aus dem Bereich der alten Sprachen sowie der großteils deutschen (aber auch fremdsprachigen) Literaturgeschichte. Kleinere Sammlungen aus den Bereichen der Naturwissenschaften (Mathematik, Geographie) und der Musik, sowie enzyklopädische Reihen sind v.a. dem Umstand der schulischen Tätigkeit im Gymnasium vieler Mönche geschuldet.
Die Abteilung Periodica enthält den weitaus größten Anteil an älteren Drucken, vorwiegend aus dem 19. Jh. Außerdem periodische Veröffentlichungen aller Disziplinen. Heute werden vermehrt theologische Zeitschriften abonniert und gesammelt.

Sondersammlungen

Die Bibliothek sammelt in einer eigenen Abteilung Schaeftlariensia. Derzeit finden sich hier 20 alte Drucke (Werke über Schäftlarn und solche, die von Konventsmitgliedern verfaßt wurden).

Unkatalogisiert und teilweise auch ungeordnet sind mehrere graphische Bestände: Landkarten des 19. Jhs (zu den Karten des 17. und 18. Jhs s. o. 2.6), graphische und photographische Porträts, Andachtsbildchen (nach Sujets geordnet), Exlibris des 17. bis 20. Jhs (teilweise nach Besitzern geordnet), Totenroteln des 19. und 20. Jhs aus Klöstern in aller Welt, vornehmlich benediktinische (nach Klöstern geordnet), sowie Siegelabdrucke (geordnet, soweit sie Klöstern entstammen).

Einen guten Überblick bietet der Aufsatz des ehemaligen Bibliothekars P. Dr. Martin Ruf OSB (1952-2008) im Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Österreich und Europa (Stand April 1992). Der Aufsatz ist in der digitalisierten Fassung des Handbuchs online aufrufbar.

Kontakt: P. Stefan Geiger OSB (Mail)